DIRK WALTER

Er ist mit Sicherheit einer der profundesten Kenner, Kritiker und Liebhaber der saarländischen Literatur. Jetzt hat Dr. Dirk Walter, der seit 1981 in Quierschied lebt, ein Buch herausgebracht, das einen Querschnitt über seine unterschiedlichen Schaffensbereiche bietet. Es trägt passenderweise den Titel „ÜberRegionales“.

Es ist sein zweites Buch nach dem 2017 erschienenen „St. Ingbert. Literatur einer Stadt“, welches er als Herausgeber betreute. Gut die Hälfte der 400 Seiten widmen sich Rezensionen regionaler Werke, bzw. dem Oeuvre von Schriftstellern aus dem Saarlorlux-Gebiet. Diese Besprechungen sind fast alle in der Literaturzeitschrift „Die Neueste Melusine“ erschienen, welche die literarische Gesellschaft mit demselben Namen herausgibt. Es folgen – entsprechend dem doppelsinnigen Titel – überregionale Themen, etwa zu Ähnlichkei-ten in den Werken Kästners und Dürrenmatts, die Dirk Walter und Prof. Günter Scholdt, ein enger Freund und Weggefährte, herausarbeiten konnten. Dem Thema Literatur und Bildung gilt ein weiteres Kapitel, gefolgt vom letzten, das eigenen literarischen Stücken vorbehalten ist, darunter ein Romanfragment nach einem wiederum mit Günter Scholdt geschriebenen Hörspiel, das vom saarländischen Rundfunk gesendet wurde, oder die kleine Geschichte der „Klään Müllers Dickbänd“, die u.a. aus Schorsch Seitz, Gerhard Bungert und eben Dirk Walter bestand. Diese Kapelle intonierte Stücke in saarländischer Mundart, die angeblich – zumindest erzählten sie es dem erstaunten Publikum – aus der Jugendzeit Glenn Millers stammten, der ursprünglich, so die Erzählung, aus Bubach-Calmesweiler stammte. Dass dieses letzte Kapitel des Buches die Überschrift „Unterhaltsames“ erhielt, dürfte also kaum verwundern.

Der literarischen Gesellschaft „Melusine“ widmet sich Walter seit 2006. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern und eventuell auch zu denjenigen, die den Verein wieder zu Grabe tragen müssen, denn unter den 160 Mitgliedern findet sich gegenwärtig niemand, der den Vorsitz übernehmen möchte. Sicherlich wäre Walter prädestiniert dafür, doch er ist durch familiäre Verpflichtungen zu stark gebunden, als dass er das Amt ausfüllen könnte. Das findet nicht nur er höchst bedauerlich, denn: „Eigentlich ist die Melusine sehr rührig.“ Es werden regelmäßige Exkursionen angeboten, Lesungen, Veranstaltungen, man beteiligt sich mit Sonderpreisen und Jurymitgliedschaft   beim „Wortsegel“-Literaturwettbewerb für Schüler und gibt mit „Sammlung Bücherturm“ sogar eine eigene Buchreihe regionaler Klassiker heraus. Die Krux liegt im hohen Durchschnittsalter der Mitglieder. Doch noch besteht die Hoffnung, dass sich jemand aus der Mitte des Vereins dazu bereit erklären wird, den Verein fortzuführen.

Sollte es mit „Melusine“ tatsächlich nicht weitergehen, so dürfte sie einen würdigen Abschluss finden, natürlich wieder mit einem Buchprojekt, das unter der Leitung von Dirk Walter umgesetzt werden würde. Ihm dürfte es ohnehin nicht langweilig werden. Sein Schwiegersohn kuratiert ein einzigartiges Literaturprojekt im Euregio-Dreiländereck zwischen Aachen, Lüttich und Maastricht, in dem er sich einbringen könnte, und auch für eigene Projekte stünde dann wieder Zeit zur Verfügung. Und selbstverständlich fürs Lesen. Als Lieblingsautoren benennt er nach einigem Zögern, denn es fällt ihm schwer, unter den vielen nur ein, zwei Namen auszuwählen – Erich Kästner und Franz Kafka und für den regionalen Bereich Alfred Gulden, Heinrich Kraus und Martin Bettinger.

Wie auch immer sich die Situation ergeben wird, Dirk Walter wird seiner Wahlheimat Quierschied treu bleiben. Seine Frau war über vierzig Jahre hinweg als Lehrerin an der Lasbachschule tätig. Viele persönliche Verbindungen haben sich entwickelt und das Li-teraturleben der Gemeinde wird im Sommer einen neuen Anstoß erhalten, bei dem ihn viele Verantwortliche gerne dabei hätten.

ÜberRegionales erscheint im Bestverlag, Saarbrücken,

und ist für 19,90 € im Buchhandel bestellbar. ISBN: 9783947822102.